Wenn der Kopf mitspielt, gewinnt das Team. 5 Übungen für mentale Topform im Fußball
Was ist Mentaltraining im Fußball und warum reicht Technik allein nicht aus?
Stell dir vor: Es steht 1:1. 89. Minute. Du läufst allein auf den Keeper zu. Dein Körper weiß, was zu tun ist, du hast diese Bewegung tausendmal trainiert. Aber dein Kopf? Der schreit: Was, wenn ich daneben schieße?
Genau hier kommt Mentaltraining ins Spiel.
Mentaltraining im Fußball heißt: Du trainierst deinen Kopf genauso wie deinen Körper. Damit du auch dann entspannt bleibst, wenn es wichtig ist. Mentaltraining ist weder Hokuspokus noch Motivations-Chakka. Es handelt sich um wissenschaftlich belegte Übungen, die deine mentale Stärke systematisch aufbauen.
Ein paar Beispiele, was Mentaltraining ist
Zum Mentaltraining im Fußball gehört, dass du auch dann konzentriert bleibst, wenn es um dich herum laut wird: Die Fans brüllen, der Trainer gestikuliert und der Gegner pöbelt dich an. Du bleibst ruhig, bei dir und bei dem, was als Nächstes zu tun ist.
Durch regelmäßiges Mentaltraining lernst du, mit deinen Emotionen umzugehen, statt dich nach einem Fehlpass oder Gegentor komplett rausbringen zu lassen. Klar darfst du dich ärgern – aber du lernst, dich schnell wieder aufs Spiel zu fokussieren und nicht auf die Situation, die dich eben noch geärgert hat.
Ein wichtiger Teil ist auch das Visualisieren: Du gehst in Gedanken Situationen durch, die du meistern willst, z.B. den entscheidenden Elfer, den perfekten Pass, das Tor. Wenn du dir Erfolge immer wieder bildlich vorstellst, bereitet sich dein Gehirn so vor, als hättest du es wirklich schon erlebt.
Und natürlich geht es auch darum, mit Fehlern und Rückschlägen besser umzugehen. Anstatt dich dafür innerlich fertigzumachen, lernst du: Fehler gehören zum Spiel. Du nimmst sie mit, analysierst sie – und spielst trotzdem mit erhobenem Kopf weiter.
„Was wir oft machen, wird zur Gewohnheit. Was wir uns oft vorstellen, wird zur Realität.“
Peter Kwapil, Sportcoach & Mentaltrainer
Kurz gesagt:
Mentaltraining wirkt wie Techniktraining – nur im Kopf. Je öfter du es machst, desto stabiler werden deine neuronalen Verbindungen. Und irgendwann läuft’s automatisch. Wie der Pass in den Lauf, den du blind spielst.
Wer also denkt, Fußball sei nur eine Frage der Physis, irrt. Die entscheidenden Spiele – die gewinnst du im Kopf.
Inhaltsverzeichnis
Warum ist Mentaltraining im Fußball so wichtig?
Lukas ist 15. Talentiert, ehrgeizig und Stammspieler in der U17. Doch kurz vor dem Anpfiff wirkt er wie ausgewechselt: blasse Haut, fahriger Blick, nervöses Rumziehen am Trikot. Im Training übernimmt er gern Verantwortung. Im Spiel? Blockiert.
„Ich wusste, was ich tun sollte. Aber mein Kopf war leer. Als hätte mir jemand den Stecker gezogen.“
Lukas, 15
Solche Situationen kennst du bestimmt. Als Trainer:in von Jugendmannschaften erlebst du sie immer wieder. Die Wahrheit ist: Technik, Taktik und Kondition entscheiden das Spiel nicht allein. Der Kopf spielt mit. Und manchmal spielt er gegen dich.
Mit gezieltem Mentaltraining im Fußball gibst du deiner Mannschaft Werkzeuge an die Hand, damit sie auf dem Platz fokussiert bleiben und selbstbewusst spielen. Und was sie im Fußballtraining stark macht, hilft ihnen auch im Alltag.
Wie werde ich mental stärker im Fußball?
Mentale Stärke im Fußball entwickelst du mit gezieltem Mentaltraining für Fußballer. Dazu gehören Visualisierung, klare Ziele, bewusstes Atmen und der offene Umgang mit Fehlern. Wiederhole die Übungen regelmäßig und reflektiere, wie es dir geht und was sich bei dir verändert. Dies ist genauso wichtig wie Technik und Taktik auf dem Platz.
Welche mentalen Herausforderungen bringt der Fußball mit sich – gerade für junge Spieler:innen?
Fußball ist mehr als Kondition, Technik und Taktik. Vor allem für junge Spieler:innen ist der Kopf oft der größte Gegner. Denn neben dem Druck auf dem Platz prasselt noch viel mehr auf sie ein: Social Media, ständiger Vergleich im Team, Erwartungen von außen – und dieser innere Kritiker, der nie still ist.
Marvin, 14, linke Außenbahn, bringt es auf den Punkt:
„Ich war so mit mir selbst beschäftigt, dass ich gar nicht mehr mitbekommen hab, was im Spiel passiert.“
Ein Satz, den viele Jugendspieler:innen unterschreiben würden.
Die typischen Stolpersteine?
- Versagensangst. „Wenn ich patze, verliere ich meinen Platz.“ Der Gedanke reicht, um bei der nächsten Aktion zu zögern – und genau das führt dann oft zum Fehler.
- Blockaden nach Fehlern. Ein Fehlpass – und plötzlich läuft nichts mehr. Der Kopf ist voll, die Beine schwer. Statt weiterzuspielen, kreist der Gedanke: „Wie konnte das passieren?“
- Druck von außen. Eltern, Trainer:innen, Mitspieler:innen – alle meinen es gut, aber sie erwarten auch viel von Spieler:innen.
- Motivationslöcher. Nach einer Niederlage noch einmal aufzustehen, weiterzutrainieren, an sich zu glauben – das ist leichter gesagt als getan. Viele verlieren in solchen Momenten den Anschluss.
Und all das passiert nicht nur einmal – sondern Woche für Woche.
Eine Auswertung von über 400 Athlet:innen zeigt: Besonders beim Thema mentale Vorbereitung (Ø 5,4 von 12 Punkten) und Stressmanagement (Ø 5,2 von 12 Punkten) besteht Nachholbedarf. (Quelle: mindlab.mettle.coach)
Und genau da setzt Mentaltraining an.
- Es hilft dir, den inneren Dialog zu verändern. Statt dich selbst nach einem Fehler runterzumachen, lernst du, dir selbst den Rücken zu stärken.
- Du hörst nicht mehr nur die Stimme, die sagt: „Schon wieder versaut.“
Sondern eine, die sagt: „Ja, war ein Fehler – aber du weißt, was du besser machen kannst. Jetzt konzentrier dich auf die nächste Aktion.“ - Mentaltraining heißt nicht: Du wirst plötzlich unverwundbar.
Aber du lernst, mit Druck besser umzugehen. Du verlierst dich weniger in Gedanken, sondern bist wieder im Spiel.
Und genau das ist die Grundlage dafür, dass du auf dem Platz dein Spiel machst – egal, was um dich herum passiert.
Wie bereitet man sich mental auf ein Fußballspiel vor? 5 konkrete Mentalübungen fürs Training
Klar ist: Technik allein reicht nicht. Wer im Kopf nicht bereit ist, bringt sein Können nicht auf den Platz. Diese 5 einfachen Mentalübungen helfen deinem Team, fokussierter, selbstbewusster und stabiler ins Spiel zu gehen – und lassen sich direkt ins Training integrieren.
1. Konzentrationsritual zum Start: So schaffst du Klarheit im Kopf
Bevor das Training oder Spiel beginnt, ist es wichtig, dass alle im Team im „Hier und Jetzt“ ankommen. Dieses einfache Ritual hilft, den Kopf zu leeren und volle Aufmerksamkeit zu entfalten.
So geht’s:
- Alle Spieler:innen stellen sich im Kreis auf.
- Augen schließen oder entspannt auf den Boden schauen.
- 60 Sekunden absolute Stille: den Atem bewusst wahrnehmen.
- Dann folgen drei tiefe Atemzüge:
- Langsam durch die Nase einatmen (4 Sekunden zählen).
- Kurz die Luft anhalten.
- Langsam durch den Mund ausatmen (6 Sekunden zählen).
Mein Tipp:
Sprich währenddessen beruhigende Worte wie: „Lass alle Gedanken los. Konzentriere dich nur auf deinen Atem.“
Für jüngere Spieler:innen kann das Ritual mit einer Klangschale oder leisen „Om“-Tönen unterstützt werden.
2. Erfolg visualisieren: Mentale Bilder erzeugen, die motivieren
Visualisierung ist kein Hokuspokus – sie trainiert das Gehirn darauf, Erfolg schon vorher zu erleben. So sind Spieler:innen mental auf Sieg eingestellt, bevor der Ball überhaupt rollt.
So geht’s:
- Findet euch vor dem Training oder Spiel an einem ruhigen Ort zusammen.
- Schließt die Augen und atmet tief durch.
- Stellt euch genau vor, wie ihr mit Ball anlauft, den Schuss vorbereitet und der Ball im Netz landet.
- Achtet auf Details: Geräusche, Gefühle, Bewegungen – alles so lebendig wie möglich.
- Spürt, wie sich dieser Moment anfühlt. Wo im Körper spürt ihr das?
- Öffnet nach 2–3 Minuten die Augen und versucht, das positive Gefühl auf dem Platz abzurufen.
Mein Tipp:
Ermutige die Spieler:innen, nach der Übung kurz zu erzählen, was sie gespürt haben. Das verstärkt die Wirkung.
3. Fehler feiern lernen: Aus Niederlagen Stärke ziehen
Ein Fehler ist keine Katastrophe, sondern eine Chance zum Lernen. Mit einer neuen Fehlerkultur wächst das Selbstvertrauen im Team.
So geht’s:
- Nach jedem Fehlpass ruft das Team gemeinsam: „Nächste Chance!“ oder „Weiter geht’s!“
- Unterstütze als Trainer:in und erkläre deinem Team, dass Fehler Lernmomente sind, nicht Versagen.
- Ermutige Spieler:innen, sich gegenseitig positiv zu unterstützen.
- Ermuntere deine Spieler:innen, nach Fehlern bewusst tief durchzuatmen und sich dann wieder aufs Spiel zu fokussieren.
Mein Tipp:
Führe eine „Fehler-Zeit“ im Training ein – z. B. 10 Minuten, in denen riskante Aktionen ausdrücklich erlaubt sind. So wächst der Mut und das Lernen in einer entspannten Atmosphäre.
4. Das 3×3-Erfolgstagebuch: Reflektieren und besser werden
Regelmäßige Reflexion hilft Spieler:innen, sich ihre Fortschritte bewusst zu machen und gezielt an Schwächen zu arbeiten.
So geht’s:
Nach jedem Training oder Spiel schreiben die Spieler:innen:
- 3 Dinge, die gut liefen (z. B. „Ich war heute sehr aufmerksam“).
- 3 Erkenntnisse (z. B. „Ich muss beim Passen genauer hinschauen“).
- 3 Ziele für die nächste Einheit (z. B. „Ich will beim nächsten Mal schneller reagieren“).
Mein Tipp:
Besprecht die wichtigsten Erkenntnisse gemeinsam im Team. Das stärkt Zusammenhalt und motiviert.
Für jüngere Spieler:
Verwende Smileys oder kleine Bilder, um das Tagebuch spielerisch zu gestalten.
5. Die 60-Sekunden-Regel: Emotionen kontrollieren lernen
Nach einem Fehler oder Rückschlag braucht jeder kurz Zeit, um Emotionen zu verarbeiten und sich auch mal richtig aufzuregen. Doch danach zählt der Blick nach vorn.
So geht’s:
- Nach einem Fehler dürfen Spieler:innen 60 Sekunden ihren Ärger, Frust oder ihre Enttäuschung zulassen (z. B. durch bewusstes Atmen, Schreien oder Ähnliches. Wichtig: Jede:r macht es so, wie es ihm oder ihr gut tut.)
- Danach ist Schluss mit Grübeln – der Fokus geht sofort wieder auf das Spiel.
Mein Tipp:
Hilf den Spielern, Atemtechniken zu lernen (z. B. Bauchatmung), um schneller Ruhe zu finden.
Variation:
Für jüngere Teams kann ein „Emotionen-Stuhl“ eingeführt werden, auf dem Spieler:innen kurz Platz nehmen und ihre Gefühle ausdrücken dürfen.
Das Wichtigste in Kürze: So bereitest du deine Spieler:innen mental aufs Spiel vor
Vor dem Spiel:
- Kleines Ritual: Musik, Atemübung, Affirmation
- Ziel setzen: „Was will ich heute zeigen?“
- Visualisieren: den erfolgreichen Pass, das Tor, die eigene Präsenz
Nach dem Spiel:
- Emotionen zulassen
- Reflexion: „Was habe ich gelernt?“
- Positive Fehlerkultur etablieren
„Nach dem 0:4 haben wir reflektiert – jetzt sehen wir Fehler als Lernmoment, nicht als Versagen.“ – Trainer Tobi
Funktioniert Mentaltraining im Fußball wirklich? Das sagen Studien.
- Forscher haben herausgefunden, dass Sportler, die mental stark sind, besser mit Verletzungen im Sport umgehen und sich besser regenerieren. (Quelle: Studie ansehen)
- Fußballtraining verbessert bei Kindern und Jugendlichen u. a. Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis. (Quelle: Studie ansehen)
Fazit: Fußball beginnt im Kopf
Junge Fußballer:innen brauchen nicht nur starke Beine, sondern einen starken Kopf. Mentaltraining im Fußball macht aus Talenten echte Spielerpersönlichkeiten – die Verantwortung übernehmen, Fehler aushalten und unter Druck nicht einknicken.
Als Trainer:in bist du der Schlüssel dazu. Du kannst diese mentale Stärke mit einfachen Mitteln fördern – direkt im Training.
Was ist Mentaltraining im Fußball – und warum reicht Technik allein nicht aus?
Mentaltraining im Fußball bedeutet, den Kopf genauso wie den Körper zu trainieren, um auch in Drucksituationen entspannt und fokussiert zu bleiben. Technik allein reicht nicht, weil mentale Stärke entscheidend ist, um im Spiel selbstbewusst zu handeln.
Warum ist Mentaltraining im Fußball so wichtig?
Mentaltraining gibt Spielern Werkzeuge, um auch unter Druck ruhig und selbstbewusst zu bleiben. Besonders junge Spieler kämpfen oft mit Nervosität und inneren Blockaden, die Technik und Taktik nicht lösen können.
Wie werde ich mental stärker im Fußball?
Mentale Stärke entwickelt sich durch regelmäßiges Training von Techniken wie Visualisierung, bewusstes Atmen, klare Zielsetzung und den offenen Umgang mit Fehlern.
Welche mentalen Herausforderungen bringt der Fußball mit sich – gerade für junge Spieler:innen?
Neben dem Druck auf dem Platz wirken auf junge Spieler soziale Medien, ständiger Vergleich im Team und hohe Erwartungen von außen ein. Diese Faktoren können den inneren Kritiker verstärken und die mentale Leistung beeinträchtigen.
Wie bereitet man sich mental auf ein Fußballspiel vor? 5 konkrete Mentalübungen fürs Training
Fünf Übungen helfen, mental fokussiert zu bleiben:
1. Konzentrationsritual zum Start, 2. Erfolg visualisieren, 3. Fehler feiern lernen, 4. Das 3×3-Erfolgstagebuch führen und 5. Die 60-Sekunden-Regel zur Emotionskontrolle.





