Was Jugendliche wirklich brauchen und wie du sie erreichst.
Wenn die Pubertät kracht
Dein Kind läuft plötzlich schweigend aus der Küche, Blick aufs Handy, die Zimmertür wird zugeknallt. Und du fragst dich: Wo ist dieses fröhliche, neugierige Kind von früher hin?
Beim Elternsprechtag gibt es Beschwerden. Mit den Geschwistern knallt es beim kleinsten Anlass. Mal bist du der Feind, mal wirst du ignoriert.
Die Pubertät ist eine turbulente Zeit: für Jugendliche und für alle, die sie begleiten. Es geht um Selbstfindung, Abgrenzung, Freiheit. Und ganz oft auch um Überforderung, Unsicherheit und emotionale Achterbahnfahrten.
Wenn Jugendliche schwierig werden, ist das selten böswillig. Es ist vielmehr ein Zeichen: Hier verändert sich etwas. Bitte geh nicht weg. Bleib bei mir, auch wenn ich dich gerade wegstoße.
In diesem Artikel zeigen wir dir, was hinter typischen Konflikten steckt und wie du als Elternteil, Pädagogin oder Trainer darauf reagieren kannst.
Inhaltsverzeichnis
Was hinter schwierigem Verhalten wirklich steckt
Viele Erwachsene sehen nur das Verhalten: Ihr Kind ist wütend, schweigt oder geht auf Abwehr und Konfrontation. Doch wer genauer hinsieht, erkennt schnell: Da steckt viel mehr dahinter.
- Der Rückzug ist vielleicht ein Schutzmechanismus.
- Der Trotz ein verzweifelter Versuch, Kontrolle zu behalten.
- Die Aggression Ausdruck von innerem Chaos.
Jugendliche sind oft selbst überfordert mit dem, was in ihnen passiert: körperlich, hormonell, sozial, emotional. Sie brauchen Erwachsene, die das aushalten können und ihnen Halt geben, auch wenn sie gerade abweisend wirken.
Typische Konflikte mit Jugendlichen im Alltag
1. Familie: Wenn Liebe sich in Streit verwandelt
Meist fängt es harmlos an: Ein kleiner Streit ums Handy oder eine Absprache über die Ausgehzeit mit Freunden. Was eigentlich ein vernünftiges Gespräch zwischen Eltern und Kindern sein sollte, eskaliert plötzlich. Die Türen werden geknallt, die Musik aufgedreht, Rückzug.
Eltern stehen dann oft fassungslos da und fragen sich: Was war das denn gerade? Was habe ich falsch gemacht?
Ganz ehrlich? Nichts davon ist falsch. Es ist nur schwer und anders als früher. Jugendliche brauchen Abgrenzung.
Jugendliche suchen Freiheit aber auch Bestätigung und testen dabei, wie tragfähig die Beziehung zu ihren Eltern wirklich ist. Sie sagen Lass mich in Ruhe und meinen Bleib trotzdem bei mir.
Und ja, das ist anstrengend. Aber es ist auch die größte Chance für echte Verbindung.
Es geht nicht darum, Jugendliche zu ändern. Es geht darum, sie zu verstehen und gemeinsam neue Wege zu gehen. – Peter Kwapil
2. Schule: Wenn Leistung alles zu bestimmen scheint
Reiß dich zusammen!, sagen Lehrerinnen und Lehrer.
Du musst mehr tun!, sagen Eltern.
Und ja, sie sagen das nicht, weil sie herzlos sind, sondern weil sie sich sorgen. Weil sie manchmal hilflos sind und weil auch ihre Geduld irgendwann an ihre Grenzen kommt. Hand aufs Herz: Es ist nicht leicht, mit anzusehen, wie das eigene Kind scheinbar nichts mehr auf die Reihe kriegt. Wenn Hausaufgaben in Tränen oder Trotz ausarten und Schule zum Dauerstress für alle wird.
Mittendrin sitzt ein junger Mensch, der selbst nicht mehr weiß, was los ist: der morgens kaum aus dem Bett kommt, der sich ständig mit anderen vergleicht und immer das Gefühl hat, nicht zu genügen.
Was wir dann oft bei unseren Kindern sehen: Gereiztheit. Null Bock.
Was wirklich oft da ist: Druck. Angst. Erschöpfung. In der Schule zeigen Jugendliche oft das, was sie zu Hause noch irgendwie unterdrücken: Sie ziehen sich zurück, sind wütend oder verweigern den Unterricht. Lehrerinnen und Lehrer sehen Schülerinnen und Schüler, die scheinbar nicht mehr mitmachen und übersehen dabei leicht, dass sie innerlich längst die Reißleine gezogen haben.
Und ja: Eltern stehen daneben und wissen auch nicht weiter. Sie wollen unterstützen und landen doch im Streit. Sie wollen motivieren und werden abgewiesen.
Kurz: Es ist ein ständiger Balanceakt zwischen Verantwortung, Beziehung und Rückzug.
3. Freundeskreis: Wenn Zugehörigkeit wichtiger wird als alles andere
Das sind doch gar keine richtigen Freunde.
Lass dich davon doch nicht so runterziehen.
Eltern versuchen zu trösten, zu schützen und stoßen dabei oft auf Unverständnis. Denn was für Erwachsene nur Schulfreundschaften sind, bedeutet für Jugendliche die Welt.
Freunde sind Identität. Sie bieten Halt, Verbindung und sind auch so etwas wie ein zweites Zuhause. Und wenn genau dort etwas ins Wanken gerät, z.B. wenn es Stress mit den Freunden gibt, der Schwarm nicht zurückschreibt, oder jemand plötzlich nicht mehr dazugehört, fühlt sich das an, also ob der Boden unter den Füßen wegbricht.
Was von außen wirkt wie Drama ist von innen oft echter Schmerz: Da ist die Angst, ausgeschlossen zu werden. Und dann passiert es schon mal, dass Grenzen überschritten werden, aus dem Wunsch heraus, dazuzugehören. Ganz oft sehen Eltern nicht, was genau passiert. Trotzdem spüren sie, dass ihr Kind sich verändert.
Es ist nicht leicht, dabei nur am Rand zu stehen und zu wissen: Ich kann mein Kind nicht vor allem bewahren. Genau dann und genau deswegen dazubleiben, das ist manchmal die größte Kunst.
4. Freizeit und Training: Wenn plötzlich nichts mehr geht
Gestern waren die jungen Menschen noch voller Begeisterung beim Fußball, beim Reiten, im Orchester. Heute: Ich hab keine Lust mehr. Dann ist es nur selbstverständlich, dass Eltern irritiert und vielleicht enttäuscht sind.
Du kannst doch nicht einfach aufgeben oder Du bist so talentiert! sind nachvollziehbare Reaktionen von Eltern.
Was viele nicht sehen: Hinter dem Ich will nicht steckt oft ein Ich kann nicht mehr. Jugendliche stehen mit Schule, Freundschaften, Social Media, Selbstzweifeln und dem eigenen Körper, der sich rasant verändert, ständig unter Strom. Und wenn dann auch noch die Freizeit funktionieren soll, wird aus Freude schnell Druck.
Gleichzeitig erleben Trainerinnen und Trainer, Gruppenleitungen oder Chorleiterinnen und Chorleiter, dass Jugendliche sich entziehen, Regeln nicht mehr einhalten oder antriebslos werden.
Und auch sie sind überfordert, fühlen sich vor den Kopf gestoßen, wissen nicht, wie sie noch Zugang finden sollen.
Aber oft ist es doch so:
Manchmal braucht es nicht noch ein Mach doch weiter, sondern ein Ich seh dich. Und es ist okay, wenn du gerade eine Pause brauchst.
Wer sich sicher fühlt, kann sich auch zeigen. Wer sich dauernd bewertet fühlt, macht dicht. – Peter Kwapil
5. Soziale Medien: Immer auf Sendung
Immer erreichbar. Immer präsent. Immer ein bisschen besser sein als gestern. Jugendliche vergleichen sich mit anderen, mit sich selbst, mit Bildern, die oft nicht echt sind. Likes werden zum Gradmesser für den eigenen Selbstwert. Wer viele bekommt, fühlt sich gut und wer wenige hat, fühlt sich falsch.
Ständig online zu sein heißt auch: nie wirklich abschalten.
Was von außen wie belangloses Scrollen aussieht, ist für viele Jugendliche ein ständiger innerer Film: Bin ich schön genug? Beliebt genug? Interessant genug?
Und dann ist da noch das, worüber niemand gerne spricht, aber was viel zu viele erleben: Cybermobbing. Verletzende Kommentare, fiese Memes, Demütigungen in Gruppenchats. Sie sind oft anonym gepostet und dennoch rund um die Uhr und für alle sichtbar. Was früher nach der Schule aufhörte, geht heute im Handy Tag und Nacht weiter.
Viele Jugendliche reden nicht darüber, weil sie sich schämen oder weil sie glauben, dass sowieso niemand helfen kann. Dabei hinterlässt Cybermobbing oft tiefe Spuren aus Angst, Selbstzweifel und Rückzug.
6. Zukunftsfragen: Wenn die Welt zu groß wird
Was willst du mal machen?
Such dir was Sicheres.
Wie oft haben Eltern diese Sätze von ihren eigenen Eltern gehört und stellen diese Frage nun ihren eigenen Kindern? Dahinter stecken ehrliches Interesse, der Wunsch nach einer geregelten Zukunft und manchmal auch die Sorge, ob alles gut ausgehen wird. Und dennoch: Diese Sätze, die Orientierung geben sollen, verstärken manchmal den Druck auf die Jugendlichen.
Denn viele junge Menschen wissen eben nicht, wo es nach der Schule hingehen soll. Sie haben keine Ahnung, was sie später mal machen wollen, ob Studium oder lieber doch Ausbildung richtig für sie sind. Gleichzeitig merken sie: Die Welt verlangt Entscheidungen, lange bevor sie überhaupt wissen, wer sie sind.
Manche reagieren vielleicht desinteressiert und selbstironisch. Was sie oft fühlen: Orientierungslosigkeit, Angst, sich falsch zu entscheiden und den Wunsch nach Sicherheit in einer Welt, die sich dauernd verändert.
Manche flüchten sich in Aktivismus, andere in Verweigerung. Beides kann Ausdruck derselben inneren Frage sein: Wo ist mein Platz in dieser Welt?
7. Liebeskummer und Sexualität: neue, große Gefühle
Die erste große Liebe, das erste Mal verletzt werden: Liebeskummer tut so richtig weh. Und trotzdem hören Jugendliche oft: Das geht vorbei oder Warte, bis du mal wirklich erwachsen bist. Dabei fühlt sich das jetzt gerade schon sehr echt an. So echt, dass der Schmerz manchmal körperlich wird.
Und auch die eigene Sexualität zu entdecken, ist nicht leicht: Wer bin ich? Wen liebe ich? Bin ich normal? Das sind oft Fragen, die viele Jugendliche mit sich selbst ausmachen. Andere wiederum reden offen. Aber der Wunsch dahinter ist fast immer derselbe: Gesehen zu werden und sich so zeigen zu können, wie man ist und fühlt.
5 Strategien für eine bessere Verbindung
Manchmal läuft es einfach nicht rund. Gespräche in der Familie enden im Streit und alle fühlen sich unverstanden. Diese fünf Ansätze aus meiner täglichen Zusammenarbeit mit Jugendlichen und ihren Eltern können euch helfen, wieder besser in Kontakt zu kommen:
1. Hör hin, bevor du antwortest
Statt Warum bist du so?, frag lieber: Was beschäftigt dich gerade?
Das klingt klein, macht aber im Gespräch einen riesigen Unterschied. Jugendliche spüren sofort, ob du sie wirklich verstehen willst oder ob sie nur funktionieren sollen.
2. Bleib klar aber ohne Härte
Grenzen sind wichtig. Aber sie sollten Halt geben, nicht Angst machen.
Du kannst z.B. sagen: Ich sehe, dass du Freiraum brauchst. Gleichzeitig bin ich für dich verantwortlich. Lass uns gemeinsam schauen, wie das gehen kann.
Klarheit + Beziehung = Orientierung.
3. Halte Stille aus
Nicht jeder Jugendliche redet sofort. Aber viele hören ganz genau zu und beobachten.
Und sie merken sich: Bleibst du da, auch wenn es gerade schwierig ist?
Auch wenn es für Eltern nicht immer leicht ist: Geduld ist hier oft das größte Zeichen von Liebe.
4. Zeig, dass Rückschritte normal sind
Pubertät läuft nicht geradeaus. Wo die Jugendlichen heute noch voller Pläne sind, wird morgen plötzlich alles in Frage gestellt oder über den Haufen geworfen. Manchmal können ermunternde Sätze einen Zugang schaffen, z.B. Du musst nicht alles sofort schaffen. Ich glaube an dich. Das baut auf, auch dann, wenn gerade nichts geht.
5. Schaffe Rituale, die euch verbinden
Ein gemeinsames Abendessen oder ein Spaziergang zu zweit, ohne die anderen Geschwisterkinder kann oft ein kleiner Türöffner sein. Oder setzt euch zehn Minuten täglich gemeinsam ohne Handy an den Küchentisch: Sei da, hör zu oder schweigt gemeinsam. Verbindung entsteht oft in diesen kleinen, stillen Momenten.
Kleine, verlässliche Rituale schaffen oft mehr Nähe als 10 Erziehungsregeln. – Peter Kwapil
Wenn Konflikte mit Teenies eskalieren: Das kannst du tun
Vier Situationen aus der Praxis und was hilft, wenn Worte nicht mehr reichen.
Familienstreit: Wenn Türen knallen
Lisa (16) will am Samstagabend zur Party ihrer Schulfreundin. Die Eltern sagen Nein. Es folgt ein Streit, der eskaliert. Lisa schreit, knallt die Tür, am nächsten Tag schweigt sie beim Essen.
Was hilft:
In solchen Momenten sind die Fronten schnell verhärtet. Trotzdem lohnt es sich, Gefühle klar zu benennen:
Ich merke, dass es dir wichtig ist, ernst genommen zu werden.
Dann sachlich bleiben, Grenzen erklären und offen für einen Kompromiss sein:
Ich will, dass du sicher bist. Vielleicht finden wir eine Lösung, mit der du mehr Freiraum hast und wir beide uns trotzdem gut fühlen.
Liebeskummer: Wenn die Welt still steht
Max (15) hat sich in ein Mädchen aus seiner Parallelklasse verliebt und wurde enttäuscht. Er zieht sich zurück, vernachlässigt die Schule und war seit Wochen nicht mehr beim Fußballtraining. Zu Hause wirkt er gereizt oder traurig.
Was hilft:
Eltern neigen dazu, zu trösten oder zu relativieren: Das geht vorbei. Doch für Max fühlt es sich gerade an wie Weltuntergang. Da sein, ohne zu drängen. Ein leiser Satz reicht oft:
Ich sehe, dass dich etwas sehr beschäftigt. Wenn du reden magst, bin ich da.
Und dann einfach bleiben, ohne Erwartungen.
Schulstress: Wenn alles zuviel wird
Sarah (17) steht vor dem Realschulabschluss. Sie wirkt erschöpft, weint oft, reagiert auf kleinste Dinge wütend. Die Eltern wissen nicht, wie sie helfen können, ohne zusätzlichen Druck auszuüben.
Was hilft:
Wertschätzung statt Ansprüche.
Ein Satz wie: Du bist mehr als deine Noten kann vieles entlasten. Gleichzeitig können die Eltern gemeinsam mit ihrem Kind hinschauen: Was kann wegfallen? Was ist gerade wirklich wichtig? Oft hilft schon das Gefühl: Ich muss das nicht allein schaffen.
Fazit: Jugendliche brauchen keine perfekten Erwachsenen, sondern echte
Du musst keine Therapeutin sein, kein Super-Coach, kein Super-Elternteil.
Und du solltest:
- Zuhören, auch wenn es weh tut,
- Da sein, auch wenn du abgelehnt wirst,
- Grenzen setzen, ohne zu drohen
- Und vor allem: Vertrauen zeigen. Immer wieder.
Jugendliche sind nicht gegen dich. Sie kämpfen oft mit sich selbst. Du kannst ihr sicherer Hafen sein, auch wenn der Sturm draußen tobt.
FAQs – Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Probleme mit Jugendlichen
Wie äußern sich psychische Probleme bei Jugendlichen?
Psychische Probleme zeigen sich oft durch Rückzug, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen oder Schlafprobleme.
Was ist das größte Problem für Teenager?
Leistungsdruck und das Gefühl, den Erwartungen nicht zu genügen, zählen zu den größten Herausforderungen.
Welche Probleme hat die heutige Jugend?
Neben Pubertätskonflikten sind Stress, soziale Medien und Zukunftsängste zentrale Probleme.
Welches ist das schwierigste Alter für einen Teenager?
Die Phase zwischen 14 und 17 Jahren gilt oft als besonders herausfordernd, weil Identität und Selbstbewusstsein stark geprägt werden.
Du fühlst dich manchmal überfordert im Umgang mit Jugendlichen?
Das ist okay. Und du bist damit nicht allein.
Wenn du merkst, du brauchst Unterstützung, dann hol sie dir. Als Jugend- und Sportcoach arbeiten wir mit vielen Jugendlichen und ihren Eltern. Aus unserer Erfahrung wissen wir: Ihr müsst das nicht allein stemmen. Es gibt immer einen Weg.
Schreib uns für ein unverbindliches Gespräch. Wir sind gern da!





